Frankenjura: Geburtsstätte des Rotpunkts
Der Frankenjura ist eine Region sanfter bewaldeter Hügel im nördlichen Bayern, zwischen Nürnberg, Bamberg und Bayreuth, übersät mit Tausenden kleiner Kalkfelsen, verborgen zwischen den Bäumen. Er wirkt unscheinbar, doch wenige Orte haben das moderne Klettern stärker geprägt. Hier wurde der Rotpunkt geboren, hier das Fingerkrafttraining neu erfunden und hier die weltweit erste 9a geklettert. Finde ihn auf der Karte.
Eine Landschaft verborgener Felsen
Anders als die großen durchgehenden Wände anderer Regionen ist der Frankenjura ein Mosaik aus Hunderten einzelner Felsen — viele nicht höher als 15 bis 25 Meter —, eingebettet in Täler und entlang von Hängen über ein weites Gebiet. Der Fels ist jurassischer dolomitischer Kalk, häufig steil und überhängend, und berüchtigt durchsetzt von Löchern: Ein-, Zwei- und Dreifingerlöcher, die das Klettern bestimmen. Mit weit über zehntausend Routen bietet das Gebiet ein nahezu unerschöpfliches Angebot, auch wenn das Finden einzelner Felsen selbst ein Abenteuer sein kann.
Kurt Albert und der rote Punkt
Den Platz des Frankenjura in der Geschichte sicherte Kurt Albert. In den 1970ern begann Albert, frustriert von der vorherrschenden Mischung aus Frei- und technischem Klettern, einen roten Punkt am Einstieg jener Routen zu malen, die er völlig frei klettern konnte, ohne die Sicherung zu belasten. Ein Rotpunkt bedeutete, die Route war sauber von unten bis oben geklettert. Die Idee verbreitete sich über die Kletterwelt und wurde zum maßgeblichen Standard der Freibegehung. Die schlichten gemalten Punkte des Frankenjura schenkten dem Sport eines seiner wichtigsten Konzepte.
Wolfgang Güllich und Action Directe
Der andere große Beitrag des Frankenjura ist Action Directe, 1991 von Wolfgang Güllich geklettert und lange als weltweit erste Route im Grad 9a betrachtet. Die Route an einer steilen Wand am Waldkopf ist von gewaltigen Zügen zwischen Monolöchern geprägt und verlangt Fingerkraft am absoluten Limit. Zum Training popularisierte Güllich das Campusboard — ein heute universelles Trainingsgerät, das er baute, um explosive Zugkraft zu entwickeln. Action Directe bleibt ein begehrter Prüfstein, nur von einer kleinen Elite wiederholt.
Der Lochzieher-Stil
Das Klettern im Frankenjura ist eine eigene und intensive Disziplin. Die Löcher verlangen enorme Fingerkraft, oft mit nur einem oder zwei Fingern belastet, und der Stil belohnt Kraft und präzisen Kontakt mehr als die Ausdauer längerer Routen andernorts. Routen sind tendenziell kurz und wild, mit Schlüsselstellen am Limit der Fingerrekrutierung. Das macht das Gebiet zugleich zum hervorragenden Trainingsgrund und zum Ort, an dem dem Unvorbereiteten Verletzungen lauern — Aufwärmen und behutsames Herantasten ans Lochziehen ist unerlässlich.
Die großen Felsen
Zu den bekanntesten Sektoren der Region zählen der Krottenseer Turm, die Wände um Pottenstein und das Püttlachtal sowie Felsen wie der Rote Fels und der Richard-Wagner-Fels. Jedes Tal birgt seine eigene Routenkonzentration über die Grade, von sanften Einstiegen bis zu den härtesten Löchern des Landes. Die Dichte bedeutet, dass ein Gastkletterer zwischen Felsen wechseln kann, um Schatten, Sonne oder einen bestimmten Stil zu jagen, und ein Führer ist unerlässlich, um die schiere Fülle zu navigieren.
Saison und Verhältnisse
Der Frankenjura klettert am besten im Frühjahr und Herbst, wenn kühle, trockene Luft den Löchern gute Reibung gibt und der Wald angenehm ist. Der Sommer kann feucht und warm sein, wobei das Blätterdach die Felsen klamm hält; der Winter ist meist zu kalt und nass. Die bewaldete Lage bedeutet, dass viele Felsen eine Trockenperiode brauchen, um in Form zu kommen. Kühle, klare Tage sind begehrt, denn Reibung zählt an den kleinen Griffen enorm.
Ethik und Pflege
Als stark erschlossenes und stark genutztes Gebiet hängt der Frankenjura von verantwortungsvollem Klettern ab. Saisonale Brutsperren schützen Greifvögel an bestimmten Felsen, Park- und Zugangsvereinbarungen mit Grundbesitzern müssen eingehalten werden, und die empfindlichen Löcher selbst verdienen Pflege — übermäßiges Magnesia und aggressives Bürsten zermürben die Griffe mit der Zeit. Die anhaltende Qualität des Gebiets ruht darauf, dass Kletterer diese geteilten Regeln respektieren.
Auf der Karte
Der Frankenjura ist das historische Herz des deutschen Sportkletterns und eine Pilgerstätte für alle, die das Erbe des Sports schätzen. Nutze die interaktive Karte, um ihn neben die Sächsische Schweiz und das weitere Netz des deutschen und mitteleuropäischen Kalks zu stellen.